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Maulkorb als Hilfsmittel - so findest du den richtigen!

Maulkörbe wirken für viele befremdlich und werden mit Aggression in Verbindung gebracht, dabei sind sie richtig eingesetzt und angepasst ein super Hilfsmittel für unterschiedlichste Situationen. Vera von @luup_doggs verrät euch was es bei der Auswahl zu beachten gibt

 luup doggs

Vera mit Lupo und Askan von @luup_doggs

Der Maulkorb ist ein mit vielen Vorurteilen belastetes Hilfsmittel für Hundehalter und -trainer. Die einen sehen ihn als Tierquälerei an, für andere ist der Maulkorb quasi heilig. 

Fakt ist, es gibt Situationen in denen Hunde den Maulkorb wirklich brauchen, sei es als Giftköderprävention, als Beißschutz oder weil es in öffentlichen Verkehrsmitteln so vorgeschrieben ist. Und damit für diese Situationen der Maulkorb für den Hund möglichst angenehm ist, sollte der Maulkorb möglichst wenig einschränken und positiv aufgebaut werden

Welche Form und welches Material ist am besten geeignet?

Am besten geeignet ist ein leichter, aber formfester Maulkorb, der an der Stelle an welcher er auf dem Schnauzenrücken aufliegt gut gepolstert ist.

Draht:
Auch wenn viele das nicht glauben können, sind Drahtmaulkörbe ohne Beschichtung sehr leicht, auch deutlich leichter als beispielsweise Biothanemaulkörbe. Zudem sind sie absolut beißfest und bieten so die größte Sicherheit.

Netz:
Maulkörbe aus Netz, die oft als Giftköderschutz verkauft werden sind sehr instabil, unsicher und meistens auch nicht tief genug. Das Netz klebt dann förmlich auf dem Nasenschwamm, was für den Hund auf Dauer sehr unangenehm ist.

Schlaufen:
Maulschlaufen, die vorne frei sind und das Maul zugeschnürt halten, kann man wirklich als Tierquälerei betiteln, da sie Hunde dort weder hecheln, noch trinken oder sonst irgendwas können. Das kann schon nach kurzer Tragedauer lebensgefährlich werden und daher sollte man diese Maulschlaufen am besten gar nicht verwenden.

Kunststoff:
Die meisten handelsüblichen Plastikmaulkörbe sind leider auch aufgrund ihrer nach vorne spitz zulaufenden Form ungeeignet, da sie zu wenig Platz zum hecheln bieten. Je nach Hundegröße sind diese außerdem nicht beißfest.

Also halten wir fest, einen guten Maulkorb findet man am ehesten im Drahtmaulkorb Sortiment. Ein Hersteller mit einer sehr umfangreichen Auswahl ist Chopo, außerdem auch Safety First.

Und wie findet man die richtige Größe?

Der Maulkorb braucht genügend Abstand zu den Augen, also die Länge muss stimmen. Diese misst man mit genügend Abstand zu den Augen (je nach Hundegröße ca 0,5-2cm) bis hin zur Nasenspitze, mittig auf der Schnauze.

Damit der Hund problemlos hecheln, trinken und sich im Ernstfall auch übergeben kann, sollte außerdem genügend Platz in der Tiefe gegeben sein. Dafür misst man einmal den Umfang an der breitesten Stelle der Schnauze und je nach Hund und Hechelbedarf gibt man ca 20-50% dazu, um den Umfang des Maulkorbs zu erhalten. 
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Beispiel:
Unser Beispielhund Lupo hat 27cm Schnauzenumfang und 9cm Schnauzenlänge. Sein Maulkorb hat mit 50% Hechelzugabe 40cm Umfang und mit 11cm Länge genügend Abstand von der Nasenspitze zum Maulkorbende.
Da der Korb von Werk aus eine Breite von 11cm hat und Lupos Schnauze nur 7cm breit ist, musste sein Maulkorb deutlich enger gebogen werden. Mit ein wenig Kraft funktioniert das erstaunlich gut und nun hat der Maulkorb eine Breite von nur noch 8cm.
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frontal


Da die Maulkörbe von der Stange nicht allen Hunden direkt passen, gibt es noch einige Möglichkeiten, diese zu modifizieren:

Falls der Hund den Maulkorb zum Beispiel abstreifen kann, ist die Kinnlinie des Maulkorbes oft zu "locker". Hier kann ein Kehlriemen Abhilfe schaffen, der dann so angepasst wird, dass er in Kombination mit dem Nackenriemen des Maulkorbs eng genug anliegt, um nicht mehr über den Kopf gezogen werden zu können. Wenn man kein handwerkliches Geschick besitzt, kann je nach Hundegröße einfach ein Welpenhalsband dort eingeklickt werden.

Für manche Hunde ist außerdem das vorhandene Nasenpolster zu schmal oder zu breit. Dieses kann man herausschneiden und zum Beispiel durch Biothane oder Fettleder ersetzen. Hierfür gibt es auch Shops, die diese Anpassungen professionell anbieten. Ein Beispiel wäre rootdogs, die Maulkorbfactory oder Leinenschaft. Diese Anbieter passen außerdem Maulkörbe für Brachyzephale Rassen wie Französische Bulldoggen oder Möpse an, da man hier aufgrund der geringen bis nicht vorhandenen Schnauzenlänge meist im Handel nicht fündig wird.

Fazit:

Ein Maulkorb der gut sitzt muss keine Einschränkung der Lebensqualität des Hundes bedeuten, in den meisten Fällen bewirkt er sogar das Gegenteil und so kann Beispielsweise ein unsicherer Hund, der auf Umweltreize mit Angriffen reagiert, wieder sozialisiert werden. Oder auch beispielsweise ein Hund der bereits mit Artgenossen in Auseinandersetzungen geraten ist und nun mit diesen Probleme hat, kann so wieder lernen, mit diesen in Kontakt zu treten.

Trotzdem sollte man bedenken, dass ein Maulkorb immer irgendwie einschränkt. Ein fröhliches Stöckchen werfen oder Apportieren ist mit Maulkorb natürlich nicht möglich. Einen komplett wackelfreien Maulkorb, der dennoch genügend Spielraum zum hecheln bietet, wird man ebenfalls nicht finden. Es kann auch passieren, dass ein Hund mit dem Maulkorb der für ihn ja erstmal ein Fremdkörper ist, an Hindernissen aneckt. Das können Treppenstufen, Äste, aber auch Menschen oder Hunde sein. Ein Drahtmaulkorb ist bei einem Stoß nicht gerade sanft und hinterlässt den ein oder anderen blauen Fleck.

Ein unbeaufsichtigtes Tragen des Maulkorbs ist außerdem zu vermeiden. Viele Hunde versuchen irgendwann mal, sich den Korb abzustreifen und können dabei mit ihren Krallen hängen bleiben. Das ist sehr unangenehm und kann auch zu Verletzungen führen.

Wie gewöhnt man einen Hund an den Maulkorb?

Generell sollte man zur Gewöhnung an den Maulkorb den Hund mit Leckerchen dazu bewegen, seine Schnauze von selber in den Korb zu stecken und dann im Korb belohnen. Die Zeit in der die Schnauze im Maulkorb ist wird dann nach und nach gesteigert, bis man den Nackenriemen irgendwann schließt.

Ein paar Schritte mit Maulkorb kann man ebenfalls mit dem Hund gehen und immer wieder loben und bestätigen. Manchen Hunden hilft es auch, ein paar Tricks mit Maulkorb auf der Nase zu üben. Das lenkt vom Maulkorb ab und macht dem Hund Spaß.

Aber Vorsicht: Pfote geben ist nicht der beste Trick dafür, denn so bringt man den Hund dazu, die Pfote Richtung Maulkorb zu heben. Manche Hunde kommen dann sofort auf die Idee, den Korb abstreifen zu wollen, was natürlich nicht das Ziel ist.

Sollte euer Hund anfangen den Maulkorb loswerden zu wollen, reduziert die Tragezeit, sofern das möglich ist. Mit ein wenig Geduld bekommt man die meisten Hunde dazu, den Maulkorb gerne anzuziehen und ihn wie etwas ganz normales zu tragen.

luup doggs
 

Geschrieben von:
Vera
zoo.de-Community

@luup_doggs

"Es ist erstaunlich, wie viel Freiheit ein eigentlich einschränkendes Hilfsmittel einem Hund doch geben kann."

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